Selbsterfahrung und Psychotherapie als gemeinsamer Veränderungsprozess
Selbsterfahrung und Psychotherapie sind als gemeinsames Behandlungskonzept sehr erfolgversprechend. Wiederkehrende und belastende Erfahrungen können Sie mit meiner Unterstützung analysieren, einordnen und – wann immer es möglich ist – mit Erinnerungen, inneren Bildern und den dazugehörigen unterdrückten Gefühlen verbinden. So können aus belastenden Alltagserfahrungen, die ohne Psychotherapie häufig ignoriert oder verdrängt werden, wichtige Erkenntnisse entstehen. Wenn Verstehen, Erkennen und Fühlen aufeinandertreffen, gelingt Ihnen eine echte Erkenntnis. Diese Erkenntnis kann zu einer nachhaltigen Veränderung Ihres Verhaltens, Ihrer Haltung und Ihrer Beziehungsfähigkeit führen.
Der Prozess der Selbsterfahrung besteht aus drei Basismodulen und drei Entwicklungsphasen:
Basismodule
- Selbstbeobachtung
- Selbstanalyse
- Selbsterkenntnis
Entwicklungsphasen
- Ich erkenne mich.
- Ich befreie mich.
- Ich bin selbst.
Es ist sinnvoll, die Module und Entwicklungsphasen durch Psychotherapie unterstützend zu begleiten. Zusätzlich empfehle ich Ihnen, in den ersten beiden Entwicklungsphasen regelmäßig an traumaorientierten Gruppentherapien1) teilzunehmen.
Die dritte Entwicklungsphase können Sie allein kaum bewältigen – professionelle Unterstützung ist hier besonders wichtig. In dieser Phase kommen Sie Ihrer inneren Abwehr sehr nahe. Ohne neutrale Begleitung besteht die Gefahr, dass Sie sich Entwicklungsschritte nur einbilden, statt sie tatsächlich zu erfahren.
- In der ersten Entwicklungsphase der Selbsterfahrung, „Ich erkenne mich!“, geht es um das Beobachten, Erkennen, Verstehen und Begreifen Ihrer Vorstellungen, Gewohnheiten, Gedanken, Gefühle, Vorurteile und Ihres Verhaltens.
Was tue ich?
- In der zweiten Entwicklungsphase, „Ich befreie mich!“, kommt das tiefe Fühlen beziehungsweise Wahrnehmen der Ursachen für Ihre Vorstellungen, Ihr Verhalten, Ihre Gewohnheiten, Gedanken, Gefühle und Vorurteile hinzu.
Warum tue ich das?
- In der dritten Entwicklungsphase, „Ich bin Selbst!“, geht es darum, sich auf lange gemiedene und unterdrückte Gefühle einzulassen: Wut, Angst, Aggressivität, Trauer und Schmerz. Wenn Sie den Widerstand aufgeben beziehungsweise Ihre innere Abwehr überwinden und sich den Emotionen rückhaltlos zuwenden, können Sie erschöpft, aber erleichtert und befreit aus diesem Prozess hervorgehen – und jedes Mal ein wenig mehr Selbst sein.
Ich lasse los!
Wie und in welchen Zeiträumen die Entwicklungsphasen ablaufen, ist individuell sehr unterschiedlich und vom jeweiligen Thema abhängig. Außerdem spielt es eine Rolle, ob Sie gleichzeitig Psychotherapie machen und sich dadurch eine schnellere Verarbeitung Ihrer Themen ermöglichen. Wie lange jede Phase dauert und ob Sie mit jedem Thema alle drei Entwicklungsphasen durchlaufen oder vorzeitig den Kontakt zum Thema verlieren, hängt von vielen Faktoren ab.
Selbsterfahrung und Psychotherapie sind ein Marathon und kein Sprint. Viel Übung, Geduld, Zuversicht, Eigenverantwortung, Willenskraft und Freude daran, sich selbst zu erfahren, sind notwendig. Wenn Sie diesen Weg ernsthaft gehen, können Sie sich selbst Schritt für Schritt tiefer erfahren.
Die Regeln von Selbsterfahrung und Psychotherapie:
- Ich zuerst!
- Ich bin mit meiner Aufmerksamkeit immer bei mir!
- Ich bin mit meiner Aufmerksamkeit immer mit dem, was mich gerade bewegt oder blockiert!
- Ich hinterfrage mich und mein Verhalten in jeder Situation!
- Ich beurteile mich nicht!
- Ich verurteile mich nicht!
- Ich belüge mich niemals!
- Ich überprüfe regelmäßig meinen Standort und orientiere mich daran!
- Ich spreche über das, was ich über mich erkenne!
Ausgesprochen – Bann gebrochen!
Wenn Sie über sich und das sprechen, was Sie erkannt haben, vertiefen Sie Ihre Selbsterfahrung. Die Erkenntnis wird dadurch bewusster und nachhaltiger. Zusätzlich erhöhen Sie die Chance auf echte Veränderung. Etwas auszusprechen bedeutet, es aus der Dunkelheit ans Licht zu bringen und für Sie selbst sowie für andere wahrnehmbar zu machen. So verliert es an Macht über Ihr Verhalten, Ihre Gewohnheiten, Ihre Überzeugungen und Ihre Haltung.